Es begann mit einem Flüstern tief in mir. Ein Instinkt, ein Puls, ein Atem. Ich habe ihn lange ignoriert, bis er irgendwann zu laut wurde, um ihn weiter zu überhören. Mein Weg zum Puppy war kein Erwachen, sondern ein Erinnern an das, was ich immer war.
Im Jahr 2000 wurde der junge Fuchs in mir geboren. Ich war mit einem Kerl zusammen, der sich selbst Fuchs nannte und bei der Bundeswehr war. Er hatte diese direkte, klare Energie, die etwas in mir weckte. Mit ihm erlebte ich zum ersten Mal, was es heißt, sich fallen zu lassen. Da war keine Rolle, keine Kontrolle, nur Instinkt und Nähe. Ich verstand es damals nicht, aber ich spürte, dass etwas in mir lebendig geworden war. Etwas, das nie wieder ganz schlafen würde.
Einige Jahre später, 2004, war ich in einer neuen Beziehung. Mein Freund brachte mich in den Gaming-Clan LoneWolvesCologne. Wir waren die beiden einzigen Schwulen in einer Gruppe von Kerlen, die größtenteils Familie, Kinder und ein ganz anderes Leben hatten. Trotzdem wurde ich nie ausgeschlossen oder belächelt. Ich wurde akzeptiert, respektiert und einfach als Teil der Gruppe gesehen. Wir trafen uns, spielten, lachten, feierten Siege und nahmen Niederlagen mit Humor. Ich war der Fuchs unter Wölfen, anders, aber willkommen und trotzdem zugehörig.
2014 veränderte sich mein Verständnis von Nähe und Vertrauen. Ich saß auf der Couch, entspannt und ahnungslos, als er sich von hinten näherte. Es geschah ohne Ankündigung, ganz still. Plötzlich legte er mir ein Halsband um. Für einen Moment war ich überrascht, wehrlos und völlig offen. Dann spürte ich, wie sich etwas in mir entspannte. Der Moment war intensiv, aber nicht bedrohlich. Eher wie eine Welle aus Ruhe, Erregung und Vertrauen. Ich fühlte mich verletzlich und zugleich frei, als hätte jemand eine Tür geöffnet, von der ich nicht wusste, dass sie in mir existierte. Kurz darauf kaufte ich mir eine Leine. Nicht als Requisite, sondern als Zeichen. Ich wollte fühlen, spielen und erleben. Damals wusste ich nicht, dass genau das der erste Schritt auf meinem heutigen Weg war.
Ab Mitte 2017 wurde es stiller in mir. Arbeit, Alltag und Verantwortung bestimmten meinen Rhythmus, und ich jagte falschen Träumen hinterher, anstatt auf die Zeichen zu achten, die mich leise gerufen haben. Doch tief in mir blieb etwas wach, ruhig und lauernd, wie ein Herzschlag, den ich noch nicht wieder hören wollte.
Dobermänner haben mich seit Resident Evil 2002 fasziniert, diese Mischung aus Eleganz, Kraft und Haltung. Ich dachte lange darüber nach, mir eine eigene Maske zu kaufen, und am 29. November 2021 bestellte ich schließlich meine erste. Als sie im Januar 2022 ankam, hielt ich sie in den Händen und wusste, dass etwas begonnen hatte. Die Passform war nicht ideal, doch das Gefühl war echt. Es war, als würde mein Inneres aufatmen.
Ab 2022 zog es mich wieder zu den CSDs. Ich fühlte die Energie, die Freiheit, die Farben und das Leben. Es tat gut, wieder draußen zu sein, auch wenn ich noch nicht bereit war, mich wirklich zu zeigen.
2025 war anders. Ich suchte wieder das Leben, die Energie, den Rhythmus und die Bewegung. Kuro war längst da, still unter meiner Haut, neugierig und bereit. Ich hatte meine Maske, aber diesmal wollte ich mehr. Ich wollte ein Halsband, etwas, das ich bewusst tragen konnte. Etwas, das sagte: Ich bin da.
Also ging ich zum CSD. Ich wollte dorthin, wo das Leben pulsiert, wo Menschen sich zeigen, wo nichts mehr versteckt ist. Ich mischte mich unter die Menge, atmete Musik, Licht und Stimmen. Und dann sah ich sie: die Puppys. Spielend, frei, lebendig. In diesem Augenblick hielt die Welt den Atem an.
Es war, als würde etwas in mir aufbrechen. Der Fuchs, der Wolf, der Dobermann, all das, was ich in mir getragen hatte, wurde eins. Kein Zweifel, kein Zögern, kein Vielleicht. Nur Gewissheit.
Ich spürte Ruhe, Klarheit und Stolz. Kuro war nicht länger ein Gedanke, sondern ein Teil der Welt. An diesem Tag trat ich hervor. Nicht als Maske, sondern als Wahrheit. Das war mein Rudelruf. Mein Beginn als Puppy.